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FoeBuD-Newsletter: Ausgabe 007, März 2005

Mit: Gaaanz viel zur WM und den despotischen Datenschikanen, den Armreifen zur RFID-Scanner-Ortung, der Kamera-abbauenden Uni-Paderborn, Evolutionäre Zellen und ihre Auszeichnung, Kulturflatrate statt Kriminalisierung, Büroraumerweiterung in der Bielefelder Marktstrasse, dem neuen Dienstagstreff und zum Ausklang ein Lidl.

»Ich hätte gerne totale Sicherheit, ein bisschen Frieden und zum Verpacken etwas Demokratie« (padeluun)
Newsletter des FoeBuD e.V., Ausgabe 7 (01/2005), März 2005





1) Fußball-WM: Inquisitorische Fragebögen und verwanzte Tickets


Die Fußballweltmeisterschaft 2006 in Deutschland rückt näher. Seit dem 1. Februar können Eintrittskarten bestellt werden. Schon jetzt ist klar: Für den gewöhnlichen Fan werden es viel zu wenige sein, nur ein Drittel der Karten kommt überhaupt in den freien Verkauf. In etwa halb so viel, wie kostenlos bei Ehrengästen, Medien und Sponsoren landet. Eine Zwei-Klassen-Gesellschaft: Während die frei verkauften Tickets nur nach Ausfüllen eines inquisitorischen Fragebogens erhältlich sind, werden die anderen zwei Drittel VIP-Karten praktisch anonym über die Theke gehen.

Die Sponsoren erhalten aber nicht nur zahlreiche Karten. »Die WM wird von Sponsoren und Überwachungs-Industrie missbraucht, um Schnüffel-Technik einzuführen und die Fans auszuspionieren«, kritisiert Rena Tangens vom Vorstand des FoeBuD.

Wer ein Spiel der Fußball-WM in Deutschland 2006 sehen will, muss sich vorher komplett durchleuchten lassen. Erst werden per Fragebogen persönliche Daten erhoben, die dann per RFID-Chip im Ticket mit Bewegungs-Profilen verknüpft werden können. Das Problem, Daten abgeben zu müssen, treffe nicht nur diejenigen, die wirklich in die Stadien kommen, sondern schon die, die seit dem 1. Februar die Tickets im Internet beantragen und bei der Vergabe später leer ausgehen, erläutert Rena Tangens.

In dem Fragebogen müssen etliche persönliche Daten bekannt geben, beispielsweise Geburtsdatum, Pass- oder Personalausweis-Nummer, Telefon- und Faxnummer, E-Mail, Bank- oder Kreditkarten-Daten, sowie die Leidenschaft für einen bestimmten Verein. Solche Daten gehören »insbesondere nicht auf einen privatwirtschaftlichen Antrag«, sagt FoeBuD-Vorständler padeluun.

Die Daten werden nach dem aktuellen Stand auch den Sponsoren und an der WM beteiligten Ländern zur Verfügung gestellt. »Wieso soll Sponsor Philips erfahren, welchem Verein mein Herz gehört? Und was berechtigt mich, die Daten meines Freundes, für den ich ein Ticket mit ordere, preis zu geben?« kritisiert padeluun vom Vorstand des FoeBuD.



Der FoeBuD war’s ...

Die Fußball-Oberen haben auf den Druck des FoeBuD und von Datenschützern reagiert. Es war der FoeBuD, der in den vergangenen Wochen das Thema auf die mediale Tagesordnung setzte und für gehörigen Wirbel sorgte. Die ARD-Tagesthemen drehten in der Markstraße, RTL-News, Deutschlandfunk, DPA, SWR gaben sich die Klinke in die Hand. Die ›Neue Westfälische‹, größte Tageszeitung in Ostwestfalen-Lippe, setzte das Thema als Aufmacher auf die Seite 1 ihrer Samstagsausgabe. Das unabhängige Datenschutzzentrum in Kiel erarbeitete eine juristische Analyse der WM-Anmaßung. Wir glauben behaupten zu können, dass erst durch den FoeBuD das Thema in die Medien und damit ins öffentliche Bewusstsein gelangte.

Doch auch wenn der Fragebogen nachgebessert wurde, bleiben genügend Kritikpunkte. »Wir freuen uns über den Erfolg unserer geäußerten Kritik, sind aber noch nicht zufrieden«, sagt padeluun. Eine Änderung im Fragebogen wurde vorgenommen: Der Antragsteller muss nun explizit einwilligen, wenn er der Datenweitergabe zustimmt. So weit, so gut. Doch es gibt zwei Haken: Wer Informationen vom DFB haben will und Marketingmaßnahmen des DFB zustimmt, muss zugleich zwingend zustimmen, dass die Daten auch an die Fifa und Sponsoren gehen. Der zweite Haken: Unterhalb des Feldes, indem der Antragsteller ein Kreuz zur Zustimmung der Datenweitergabe machen sollen, steht unter der Überschrift »Zustimmung und Unterschrift« folgender Text: »Bitte beachten Sie, dass für eine Bestellung die Zustimmung zur Speicherung der persönlichen Daten und zu den ATGBs/Verkaufsrichtlinien unbedingt notwendig ist«. Dieser Satz ist zwar »sinnfrei«, da die Speicherung gesetzlich geregelt ist, führe aber dazu, dass sich »vermutlich 98 Prozent« der Antragstellenden gezwungen sehen werden, ihr Kreuz bei der Einwilligung zur Weitergabe der Daten zu setzen, erklärt padeluun.

Hier hat mittlerweile der Bundesverband der Verbraucherzentralen (vzbv) dem Deutschen Fußballbund mit der Roten Karte, einer Abmahnung und einer Einstweiligen Verfügung, gedroht. Der DFB hat nun zugestimmt, den Fragebogen nochmals nachzubessern. Wegen der vereinbarten Übergangsfrist, die bis zum 7. März läuft, ist bislang aber noch nichts passiert.

Ein weiteres Detail, das gegen das Recht auf informationelle Selbstbestimmung verstößt, findet sich in den Datenschutzbestimmungen zum Antrag. Da behält sich der DFB vor, alle Angaben außer Zahlungs- und Ausweisdaten an weitere, »derzeit noch unbekannte Dienstleister« weiterzugeben. Die Antragsteller können so nicht absehen, an wen und wann diese Daten weitergegeben werden.

Der Fragenbogen liefert gut sortierte und verknüpfbare Information über viele potenzielle Kunden. Adressenhändler dürften sich nach den derzeit 2,2 Millionen Datensätzen die Hände schlecken. Er steht aber auch in direktem Zusammenhang mit der RFID-Technik. Die »Radio Frequency Identification« soll nämlich in den Eintrittskarten selbst eingesetzt werden. Die Karten erhalten alle einen entsprechenden Schnüffelchip. Mittels Lesegeräten können die personenbeziehbaren Daten dann per Funk ausgelesen werden. Die Chips sind auch unbemerkbar zu scannen. Mittels dieser Technik sind Bewegungsprofile möglich. Lesegeräte können nicht nur am Eingang, sondern auch am Tor zu jedem Block, am Fan-Shop und an den Toiletten angebracht werden. Für die RFID-Industrie, besonders für den WM-Sponsor und RFID-Hersteller Philips ein wunderbares Szenario: Alle wollen WM-Karten, folglich wollen auch alle RFID, kann der Konzern dann behaupten. Ein besseres Marketing zur Einführung der Schnüffeltechnik kann es kaum geben. Dies soll nach der WM nicht etwa abgebaut, sondern im Gegenteil auch weiterhin genutzt und ausgebaut werden.

»So sehr ich Verständnis dafür habe, dass man Fußball-Rowdies rechtzeitig abwehren und erkennen möchte, hier sieht man ganz genau, wohin diese Technologie führt, nämlich zur Überwachung von Menschen«, sagte Helmut Bäumler, ehemaliger Datenschutzbeauftragte des Landes Schleswig-Holstein schon im März 2004 in einem NDR-Interview. »Schnüffelchips verhindern kein Gerangel, keine Attentate, keine Schlägereien oder Wutausbrüche«, ergänzt padeluun. Im Gegenteil werde die Illusion vermittelt, Überwachung sei das gleiche wie Sicherheit. »Die Datenschutzbehörden haben hier versagt. Es ist schon lange bekannt, dass es zur WM RFID-Tickets geben soll«, fügt er hinzu. Bereits vor zwei Jahren war der FoeBuD hellhörig geworden, als das Bielefelder Unternehmen Loewe-Group sich für den Auftrag zur Herstellung der WM-Eintrittskarten, RFID-Chip inklusive, bewarb. Die Ausschreibung kam übrigens vom Innenministerium, das aber auf Anfragen von Journalisten nach den Hintergründen beharrlich schweigt.

»Fans sollten vom DFB und Innenministerium fordern, dass dieses Verfahren geändert und der Fragebogen auf die Bestell-Adresse reduziert wird«, sagt Rena Tangens, »bis dahin sollten sie die WM aus Sicherheitsgründen boykottieren«. Auch das Bündnis Aktiver Fußball-Fans (BAFF) hat Alarm geschlagen und lehnt die RFID-Tickets ab. Dass Widerstand wirken kann, zeigt das Beispiel der Metro AG (Kaufhof, real, Extra, Saturn, MediaMarkt). Nach Protesten des FoeBuD hat der Konzern im Frühjahr 2004 seine RFID-verwanzten Kundenkarten aus dem Verkehr ziehen müssen. Der FoeBuD fordert, dass keine RFID-Chips in die Eintrittskarten integriert werden.

Gelingt es nicht, die Reduzierung der Fragebögen auf die Bestelladresse durchzusetzen, so soll zumindest verhindert werden, dass die Daten an Dritte weitergegeben werden. »Mit dem letzten Tag der WM sind alle Datensätze zu rückstandslos vernichten«, fordert padeluun.

Der FoeBuD prüft derzeit, ein Rechtsgutachten in Auftrag zu geben. Dieses soll klären, welche Ergänzungen zum Beispiel im Bundesdatenschutzgesetz aufgenommen werden müssen, um den Gefahren durch die RFID-Technik zu begegnen.



Weitere Informationen beim FoeBuD:
http://www.foebud.org
dort auch ein Überblick über die zahlreichen Presseartikel zum Thema:
http://archiv.foebud.org/dp/
und http://www.stoprfid.de
beim Bündnis aktiver Fans
http://www.aktive-fans.de
beim VZBV: http://www.vzbv.de/go/presse/500/index.html


Unabhängige Arbeit braucht unabhängiges Geld. Ein Rechtsgutachten zu den Gefahren von RFID kostet Geld. Sie können das mit finanzieren durch Ihre Spende auf das Konto 2129799, Sparkasse Bielefeld, (BLZ 48050161)


2) Chaos Communication Congress: Gut organisiert, gut besucht


Vom 27. bis 29. Dezember 2004 fand in Berlin der Chaos Communication Congress statt. Die 21. Auflage des Kongresses bot praktische Vorführungen genauso wie die theoretische Diskussion. Der Congress ist der alljährliche Austauschort für diejenigen, die technische Innovationen nicht nur aus dem Blickwinkel der Gewinnmaximierung oder zumindest etwas anders als üblich betrachten.

Der Kongress war mit 3.500 Teilnehmern bestens besucht, wie jedes Jahr war auch der FoeBuD mit dabei. Gemeinsam mit den Veranstaltern in der Schweiz und Österreich wurden die Gewinner der BigBrotherAwards 2004 vorgestellt. Ein Riesenerfolg und Anziehungspunkt war der Verkaufsstand des FoeBuD.



3) Schmuckes und Nützliches: Armreif und Privatizer kontra RFID


Aus Bielefeld mit zum CCC-Kongress hatte die FoeBuD-Crew die Artikel des FoeBuD-Shops mitgebracht. T-Shirts, Pesthörnchenaufkleber und Ähnliches verkauften sich ausgezeichnet. Ebenfalls heiß begehrt: Der RFID-Scanner-Detektor-Armreif. Das lange Wort bildet sich in der Wirklichkeit als ein Kupferdraht mit Kondensator und LED aus, der als Armreif getragen wird. Von einem FoeBuD-Bastelteam selbst zusammengelötet, leuchtet die LED dort rot auf, wo bei anderem Schmuck und entsprechender Geldbörse der Diamant sitzt. Er leuchtet auf, wenn es sich bei den am Eingang aufgestellten Induktions-Systemen nicht um herkömmlichen Diebstahlschutz, sondern um RFID-Lesegeräte im Bereich von 13,56 MHz handelt. Der Armreif ist in verschiedenen Größen im FoeBuD-Shop erhältlich. Der Gewinn aus dem Verkauf aller Artikel des Shops geht in die Arbeit des FoeBuD.

Kurz vor der Fertigstellung steht der DataPrivatizer. Der FoeBuD stellte ihn auf der Transmediale, dem Festival für den kreativen Gebrauch digitaler Medien, Anfang Februar in Berlin vor. Der DataPrivatizer zielt in die gleiche Richtung wie der RFID-Scanner-Detektor-Armreif, kann aber viel mehr. Mit ihm können RFID-Lesegeräte, aber auch RFID-Etiketten aufgespürt werden. Diese Etiketten können dann ausgelesen, gespeichert und sogar mit anderen Informationen überschrieben werden. Der FoeBuD hat den DataPrivatizer in den vergangenen Monaten zusammen mit Freunden von der Firma Klatho in Hamburg konstruiert. Ein großer Dank gilt der Stiftung bridge, die die Entwicklung des Gadgets durch die finanzielle Förderung erst möglich gemacht hat. Das Gerät wird ebenfalls im FoeBuD-Shop erhältlich sein und voraussichtlich 159 Euro kosten.



Der FoeBuD-Shop im Netz: https://shop.foebud.org

Der Chaos-Computer-Club im Netz: http://www.ccc.de

Die Transmediale im Netz: http://www.transmediale.de

Stiftung bridge im Netz: http://www.stiftung-bridge.de



4) Videoüberwachung: Uni Paderborn baut Kameras teilweise wieder ab


Zu den unglücklichen und uneinsichtigen Gewinnern eines BigBrotherAwards zählte im vergangenen Jahr die Universität Paderborn. Sie erhielt die Auszeichnung, weil in Hörsälen und Rechnerräumen Videoüberwachungsanlagen installiert waren (siehe auch FoeBuD-Newsletter 6/2004). Die Universitätsleitung hatte sich gar für Dome-Kameras entschieden, bei denen die Anwesenden im Hörsaal nicht sehen können, in welche Richtung die Kameras fokussieren. Die Universitätsleitung reagierte verärgert auf die Preisverleihung: Alles sei schließlich mit der Datenschutzbeauftragen des Landes abgestimmt, folglich unbedenklich.

Nach der Preisverleihung haben sich zahlreichende Studierende der Universität Paderborn beim FoeBuD für den Preis an die Paderborner Uni bedankt. Sie organisierten kurz vor Weihnachten eine Veranstaltung in der Uni und luden padeluun vom FoeBuD und die Sprecherin der Datenschutzbeauftragten NRW als Referenten ein. Letztere war ganz und gar nicht glücklich über das sehr eigenmächtige und teilweise ungesetzliche Vorgehen der Uni Paderborn. padeluun forderte den kompletten Abbau der Kameras. Schon vorher musste die Universitätsleitung die Kameras in den Rechnerräumen notgedrungen abschalten, da es Studierenden gelungen war, sich auf einfachste Art Zugang zu den Lifebildern der Kameras zu verschaffen.



Informationen zu den BigBrotherAwards unter: http://www.bigbrotherawards.de/2004/

Laudatio zur Uni-Paderborn: http://www.bigbrotherawards.de/2004/.local/



FoeBuD wirkt! Wirken Sie mit. Aber erfolgreiche Datenschutzarbeit braucht neben Engagement auch Geld. Unterstützen Sie den FoeBuD mit einer Spende. Konto 2129799, Sparkasse Bielefeld, BLZ 48050161



5) Rena Tangens und padeluun: Eine ausgezeichnete evolutionäre Zelle


Rena Tangens und padeluun vom FoeBuD haben den Wettbewerb »Evolutionäre Zellen 2004 -- wie gestalten Sie Ihre Gesellschaft?« des Karl-Ernst-Osthaus-Museums in Hagen gewonnen. Der Wettbewerb wird jährlich vom Verein »finger - Verein zur Förderung der Gesellschaftsgestaltung«, in Zusammenarbeit mit dem Karl Ernst Osthaus-Museum, Hagen, THEATERFORMEN 2004/REpublicACTION, der Neuen Gesellschaft für Bildenden Kunst (NGBK) und der Hessischen Kulturstiftung ausgeschrieben.

283 Projekte hatten sich auf die insgesamt fünf Preise in Höhe von 10.000 Euro beworben. Gesucht wurden unter anderem Beiträge, »die durch produktives Querdenken und Zweckentfremdung vorgegebener Bedingungen, Missstände thematisieren«. Rena Tangens und padeluun sind nicht nur wesentliche Teile des FoeBuD, sondern verkörpern auch »Art d'Ameublement«. Die Jury zeichnete die beiden für ihr gesamtes Schaffen seit 1984 aus. Dazu gehören unter anderem Rahmenbau für die »Pages Mystiques« des Komponisten Erik Satie, der Aufbau eines elektronischen Bürgernetzes, das MailBox-System BIONIC sowie das Zamir Transnational Network, das Ex-Jugoslawien in den Kriegszeiten zwischen 1992 und 1996 mit dem Rest der Welt verband und eben auch die Gründung des FoeBuD 1987 und die Veranstaltungsreihe PUBLIC DOMAIN.

Am 11. Dezember fand die Preisverleihung im Karl-Ernst-Osthaus-Museum in Hagen statt, begleitet von der Ausstellung sämtlicher Einreichungen, die ab dem 4. März in den Räumen der NGBK in Berlin zu sehen sein wird. »Gigantisch schön, anregend und interessant«, findet padeluun und empfiehlt dringend den Besuch.

Art d'Ameublement, Rena Tangens und padeluun:
http://www.tangens.de
http://www.padeluun.de

Informationen zum Wettbewerb Evolutionäre Zellen: http://www.evolutionaere-zellen.org/

Neue Gesellschaft für Bildende Kunst: http://www.ngbk.de



6) RFID: FoeBuD beim Forum des Bundeswirtschaftsministeriums


Am 21. Januar lud das Bundeswirtschaftsministerium (BMWA) zur zweiten Runde zum Thema RFID. Bereits im August 2004 hatte es ein erstes Expertentreffen gegeben. Das BMWA will zusammen mit den Ministerien Verbraucherschutz (BMVEL), Inneres (BMI) und Justiz (BMJ) wissen, ob es beim Thema Funkchips Handlungsbedarf gibt.

Wie auch bei der ersten Runde waren die RFID-Kritiker in der Minderheit. Neben dem FoeBuD waren noch der Bundesdatenschutzbeauftragte und die Deutsche Vereinigung für Datenschutz vertreten. Jan Hennig, Mitarbeiter des FoeBuD, war als Vertreter der Bielefelder Arbeitsgruppe »Rechnernetze und verteilte Systeme« der Bielefelder Universität vor Ort.

Die Positionen indes waren die gleichen wie vor vier Monaten: Während die Industrievertreter gesetzliche Regelungen ablehnen, fordern die Kritiker genau diese. RFID bietet vielfältige Risiken für eine demokratische Gesellschaft, sollte es nicht geregelt und gesetzlich eingegrenzt werden.



7) Fairsharing: »Privates Kopieren ist kein Verbrechen«


Seit neustem werden unter http://www.FairSharing.de Unterschriften für eine FairSharing-Erklärung gesammelt. Die Unterstützerinnen und Unterstützer dieser Erklärung bekennen, dass sie privat Film- und Musikdateien getauscht haben und damit gegebenenfalls gegen das Urheberrecht verstoßen haben. Sie fordern eine Legalisierung des Tauschens von Musik und Filmen zu privaten Zwecken anstatt der »massiven Überwachung von Netz und Usern, wie sie der Industrie vorschwebt«.

Eine angemessene Vergütung von Musikern und Filmschaffenden ist auch mit freiem Tausch von Musik- und Filmdateien möglich. Denkbar ist hier zum Beispiel die Einführung einer Kulturflatrate, einer Abgabe auf Internetzugang und Hardware, aus der die KünstlerInnen vergütet werden könnten.

»Anstatt die Chancen des Netzes zu nutzen, baut die Industrie auf Überwachung und verklagt ihre eigenen Kunden. Wir lassen uns nicht kriminalisieren und fordern ein freies Netz und eine faire Vergütung für die Künstler«, sagt Oliver Moldenhauer vom FairSharing-Netzwerk.

Initiiert wurde die Erklärung durch das FairSharing-Netzwerk. dass sich aus dem Bielefelder FoeBuD, der Attac-AG Wissensallmende, der Grünen Jugend, dem Netzwerk Neue Medien und der Initiative Privatkopie.net zusammensetzt. Inhaltlich unterstützt wird die Erklärung von der Deutschen Vereinigung für Datenschutz. Finanzielle Unterstützung erhält das Netzwerk durch die Stiftung bridge. Zu den Erstunterzeichnern zählen unter anderem der Musiker Frank Fenstermacher (Fehlfarben), der Ingeborg-Bachmann-Preisträger Peter Glaser, der Bremer Jura Professor Wolfgang Däubler, der Berliner Bewegungsforscher Dieter Rucht und Elmar Altvater.



Das Fairshairing-Netzwerk im Netz: http://www.FairSharing.de

Wenn Sie die Erklärung mit unterzeichnen wollen: http://www.fairsharing.de/mitmachen/erklaerung/index.php

Erklärung des Nouvel Observateur (aktuell 38.600 UnterzeichnerInnen): http://permanent.nouvelobs.com/culture/20050201.OBS7675.html



8) Wahrheit braucht Zeit: Die Geschichte des FoeBuD zwischen Buchdeckeln


Die Geschichte des FoeBuD ist inzwischen auch zwischen Buchdeckeln zu lesen. Rena Tangens hat unter dem Titel »Informationen sind schnell, Wahrheit braucht Zeit« einen Überblick über die bewegte Geschichte und die Verknüpfungen mit Art d’Ameublement geschrieben. Erschienen ist sie in dem Buch »Zukünfte des Computers«, herausgegeben von Claus Pias. Der Artikel über den FoeBuD kann von denen, die sich nicht gleich das ganze Buch kaufen wollen, auch im Netz gelesen werden.

20 Jahre FoeBuD im Netz: http://www.padeluun.de/TEXTE/20jahregesamtwerk.html

Mehr über die »Zukünfte des Computers«: http://www.diaphanes.net/scripts/buch.php?ID=45



9) Home: Im FoeBuD-Umfeld in der Marktstraße sind Büroräume frei


Der Sitz des FoeBuD ist die Marktstraße 18 in Bielefeld. Da gibt es ein Büro, einen Versammlungs- und Computerraum und neuerdings auch eine weitere Bürofläche im ersten Stock. Die wurde zum 1. Januar frei, weil die Vormieter, zwei Architekten, nach langen Jahren die Zeichenblöcke darniederlegten. Zur Zeit wird noch fleißig renoviert, frisch gestrichen und Teppichboden verlegt. Das Büro bietet genug Fläche für sechs bis neun zusätzliche Arbeitsplätze in Einzel- und Gemeinschaftsbüros. Die Einzelbüros werden zunächst einmal untervermietet: das nötige Geld fehlt, um gleich die ganze Etage zu einem weiteren FoeBuD-Kommunikationsknoten zu machen.

Leute, die sich »FoeBuD-nah« fühlen und einen Arbeitsplatz oder einen Büroraum mieten wollen, können sich gerne bei buero-m18@padeluun.de melden.



10) Fabrikart: Dienstagstreff des FoeBuD


Der neue/alte Dienstagstreff des FoeBuD liegt in der Münzstraße/Ecke Viktoriastraße in Bielefeld und heißt jetzt »Fabrikart«. Früher war hier »Viktorias Welt«, nun haben die Besitzer gewechselt. Der FoeBuD hat nun wieder das gemütliche Kaminzimmer und trifft sich hier dienstags ab 20 Uhr bei Tee, Wein, Bier, kleinen Speisen und guten Gesprächen. Wer die Menschen vom FoeBuD kennen lernen möchte, ist herzlich eingeladen, sie hier zu treffen.

FoeBuD-Treffen: jeden Dienstag ab ca. 20 Uhr, Fabrikart, Münzstraße/Ecke Victoriastraße.



Public Domain – Das monatliche Studium generale beim Club der freundlichen Genies. Öffentliche und kritische Wissenschaft kostet Geld, spenden Sie! Konto 2129799, Sparkasse Bielefeld, Blz 48050161



11) PUBLIC DOMAIN #135


Michael Fehr: Kunst Leben
Sonntag, 6. März 2005, 15 Uhr, Bunker Ulmenwall

»Das Streben der Menschheit ist es, über sich hinauszuwachsen. Jede Tätigkeit, in der sich dieser Wille kundgibt, ist Kunst. Wir treiben also Kunst, um die Menschheit zu heben. (...) Jeder sollte der höchsten Güter teilhaftig werden. Nicht durch Besitz, sondern durch inneres Verstehen«, sagte der Kunstmäzen, Planer und Museumsgründer Karl Ernst Osthaus (1874-1921).

Weil in der Provinz oft grundsätzlich die Bedeutung künstlerischen Arbeitens bestritten wird, stellt sich hier weitaus schärfer als anderswo die Frage, ob und wie Kunst für das alltägliche Leben fruchtbar gemacht werden kann. Gerade deshalb ist die Provinz oftmals eher als die Metropole der geeignete Boden für künstlerische Innovationen.

Dies vertritt vehement Dr. Michael Fehr. Er ist Leiter des Karl Ernst Osthaus-Museums in Hagen und lehrt Ethnologie, Museums- und Medientheorie. Aufmerksame Leserinnen und Leser des Newsletters erinnern sich: Er ist Mitveranstalter des Wettbewerbs »Evolutionäre Zellen«. Rena Tangens und padeluun fanden ihn und sein Museum so spannend, dass sie ihn als Referenten zur Public Domain eingeladen haben und ihm die Frage stellten, welche Kunst eine Kommunikationsgesellschaft braucht.

Michael Fehr http://www.aesthetischepraxis.de/

Karl-Ernst-Osthaus-Museum in Hagen http://www.keom.de/

Museutopia - Schritte in andere Welten http://www.germangalleries.com/Karl-Ernst-Osthaus-Museum/Museotopia.02.html

Evolutionäre Zellen http://www.evolutionaere-zellen.org/

Über Karl Ernst Osthaus (Wikipedia) http://de.wikipedia.org/wiki/Karl_Ernst_Osthaus


12) Vorlauf:


PUBLIC DOMAIN 136 am Sonntag, 3. April 2005
Oliver Moldenhauer, Attac-AG Wissensallmende über »geistige Eigentumsrechte«, Fairsharing und die Idee der Kulturflatrate

PUBLIC DOMAIN 137 am Sonntag, 1. Mai 2005
Dr. Beate Lubbe über Hochbegabung -- Wunschkind-Feature oder Behinderung?

PUBLIC DOMAIN 138 am Sonntag, 5. Juni 2005
Hersch Fischler über Bertelsmann -- Hinter der Fassade des Medienimperiums

Für aktive Mitglieder des Chaos Computer Clubs findet die diesjährige Veranstaltung *Easterhegg* am Osterwochenende in Hamburg statt.


13) Zum guten Schluss: Lidl unter Druck


Saure-Gurken-Zeit bei Lidl. Im Oktober 2004 bekam der Lebensmitteldiscounter einen Big-Brother-Award, weil er, wie tschechische und deutsche Medien berichteten, Beschäftigte schikaniert und überwacht. Im Dezember brachte die Gewerkschaft ver.di ein »Schwarzbuch Lidl« heraus, in dem Betroffene die fiesen Überwachungstechniken schildern. Das Schwarzbuch war innerhalb weniger Tage ausverkauft und wird inzwischen nachgedruckt. Die Gewerkschaft ver.di möchte die Infokampagne auch auf andere Discounter wie Aldi oder Schlecker ausdehnen. Derart schlimme Arbeitsverhältnisse sind grausam. Gut aber, dass sie nun das Licht der Öffentlichkeit erblicken und sich dadurch vielleicht etwas verbessert.

Laudatio Lidl: http://www.bigbrotherawards.de/2004/.work/

Schwarzbuch Lidl: http://www.verdi.de/handel/einzelhandel/unternehmensinformationen/lidl




Spenden:

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Wer regelmäßig spenden möchte, kann zugunsten des FoeBuD einen Dauerauftrag erteilen oder eine Lastschriftermächtigung erteilen. Lastschriftermächtigungen sind auch online möglich unter http://www.foebud.org/spende/formmailer

Der FoeBuD schickt eine jährliche Spendenquittung.


Kontakte:
Internet: https://www.foebud.org, Mail: foebud@bionic.zerberus.de
www.bigbrotherawards.de, www.stoprfid.de, www.spychips.de
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2006-10-24 19:40
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