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FoeBuD e.V. // Marktstrasse 18 // D-33602 Bielefeld
Tel: 0521-175254 // Fax: +49-521-61172 // Mail: mail-aet-foebud.org
Web: www.foebud.org und www.bigbrotherawards.de und www.stoprfid.de
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FoeBuD-Newsletter: Ausgabe 001, Februar 2004

Dies ist unser erster Newsletter und wir begründen, warum wir nun auch einen Newsletter 'rumschicken; wir haben Schnüffelchips (RFID) in den Payback-Kundenkarten des Metro Future Store gefunden; wir bekommen Geld, um einen DataPrivatizer zu entwickeln; der niedersächsische Landtag thematisiert die BigBrotherAwards in einer aktuellen Stunde und wir freuen uns auf die PUBLIC-DOMAIN-Veranstaltungen mit Claudia Rusch und zu Biometrie.

"Informationen sind schnell, Wahrheit braucht Zeit"


Patchworker packen aus

"Wir machen so viel, doch wir informieren darüber nicht genug". Dies ist der schlichte Hintergrund für diesen neuen Newsletter, den der Verein FoeBuD nun desöfteren verschicken wird. Bereits seit 1987, noch lange bevor das Internet auf den Bildschirmen auftauchte, existiert FoeBuD. Eine lange Geschichte bis in die Gegenwart.

Im Zeitraffer: Gegründet wird der FoeBuD 1987 von BesucherInnenn der ›Public Domain‹. Die im Sinn des Wortes "öffentliche Veranstaltung" schließt Bereiche von Technik, Politik, Kunst und Kultur dem interessierten Publikum auf. Inzwischen sind 128 Veranstaltungen über die Bühne des Bielefelder ›Bunker Ulmenwall‹ gegangen.

Herausragend der Aufbau des ›ZaMir-Netzwerks‹ ab 1992, das im kriegszerrütteten ehemaligen Yugoslawien Kommunikation über den Umweg Bielefeld möglich machte, die die damals Herrschenden durch zerstörte oder gekappte Telefonverbindungen zwischen Serbien und Kroatien eigentlich verunmöglichen wollten. Das Zamir-Netzwerk bediente sich dabei der BIONIC, einem MailBox-System, dessen dazu notwendiger Server ausserhalb der Gefechtslinien in Bielefeld steht.

1989: Aussergewöhlich das eigene Mailbox-System BIONIC zu einer Zeit in der ersten Hälfte der 1990er Jahre, als in Deutschland kaum jemand wußte, was E-Mails überhaupt sind. Aufwendig und sinnvoll die jahrelange Netzarbeit für Z-NETZ und /CL und viele "Special-Interest-Netze", wie /SPD, /SOliNet (Gewerkschaften), /GRUENE, /PDS und /CDU, und die Arbeit des FoeBuD zur Verschlüsselung von E-Mails, aus der die Herausgabe des deutschsprachigen Handbuchs zum internationalen Verschlüsselungsprogramm ›Pretty Good Privacy‹ resultierte.

Besonders die alljährliche Verleihung der ›Big Brother Awards‹ seit dem Jahr 2000 (http://www.bigbrotherawards.de/). FoeBuD fördert mit den Preisen, die an Firmen, Organisationen und Personen verliehen werden, die öffentliche Diskussion um Privatsphäre und Datenschutz. Der missbräuchliche Umgang mit Technik und Informationen ist Gegenstand des Negativ-Preises, die Gewinner sind zertifizierte "Datenkraken" der Nation.

FoeBuD ist aber noch viel mehr. Zunächst sind es zwölf Menschen, die in Bielefeld regelmäßig im Verein arbeiten. Dazu kommen etliche SympatisantInnen und vernetzte Zeit-zu-Zeit-MitarbeiterInnen in der ganzen Bundesrepublik.

FoeBuD schwimmt sehr aktiv in einem Netzwerk, aber nicht in Geld. Grund, für die beiden Hauptschaffenden padeluun und Rena Tangens, zu sagen: "Die Arbeit ist drastisch unterfinanziert. Viel Arbeit wird ehrenamtlich gemacht". Spenden will der FoeBuD, viel und reichlich.

FoeBuD. Wie eine Vereinigung in kurzen Sätzen beschreiben, die nicht alles sein will und viel mehr als nur eins ist? "Wir werden häufig in die Computerecke geschoben",klagt padeluun. "Wir sind weder ausschließlich ein Bürgerrechtsverein noch ein Datenschutzverein". Ja, was denn dann? "Wir haben Begeisterung für Technik, sind gesellschaftlich kritisch aktiv, machen Kultur und schaffen auch Kunst".

Ein Patchwork, Vielfalt ohne Beliebigkeit. Der neue Newsletter wird öffentlich transparent machen, welch bunte Facetten die Teppicharbeier einflechten. Information in gebührenloser, aber gebührender Form. Und bei allem Gebrauchswert will der Newsletter auch dafür sorgen, dass mehr finanzielle Unterstützung beim FoeBuD ankommt.


FoeBuD findet Schnüffelchips

RFID, das ist keine neue britische Radiostation in Deutschland. Vielmehr verbirgt sich dahinter ein neues System, Gegenstände per Funkwellen zu identifizieren, eine "Radio Frequency IDentifacation". Es handelt sich dabei um an Produkte angebrachte oder gar eingearbeitete kleine Chips mit Antenne, sogenannte Tags, die, wenn sie in die Nähe eines entsprechenden Lesegerätes kommen, Informationen aussenden.

Ein multinationales Betreiber-Konsortium hat die Technik am MIT (Massachuettes Institut of Technology) in den USA entwickeln lassen und begab sich anschließend auf Reise, um RFID zu testen. Nachdem Konsumenten mit ihrem Protest in Großbritannien, USA und Australien die Tests stoppten, wird RFID zur Zeit im Metro-Future-Store in Rheinberg ausprobiert. Das Problem: Mit den Tags kann nicht nur das Produkt, sondern könnte auch der Kunde identifiziert werden. Stehen Lesegeräte dann auch noch ausserhalb der Geschäfte, ließe sich zusätzlich zum Privatsphäre-Problem im Laden noch ein Profil über eine Person erstellen, sollte sie zum Beispiel in ihrer Kleidung versteckte Tags mit sich herumtragen.

Die Betreiber, unter anderem der Metro-Konzern, zu dem real, Saturn und Galeria Kaufhof gehören, verspricht sich von der RFID-Technik große Gewinne. RFID soll den heute üblichen Barcode ablösen. Einen dicken Strich durch die Rechnung könnten nun auch Proteste in Deutschland machen. FoeBuD lud Anfang Februar die us-amerikanische Verbraucherschützerin Katherine Albrecht von der Organisation CASPIAN ein und besuchte mit ihr zusammen den Metro-Future-Store. Albrecht kennt sich gut aus, sie ist bereits an der Mobilisierung gegen RFID in den USA und Großbritannien beteiligt.

Als während der Public Domain am 1. Februar, bei der es ausschließlich um RFID ging, eine Payback-Kundenkarte des Metro-Future-Stores auf ein vorhandenes Lesegerät gelegt wurde, erschien eine Identifikationsnummer. Mit dem Auslesen so eines Schnüffelchips könnten Kunden eindeutig identifiziert werden, schon beim Betreten des Ladens. Doch der gläserne Kundenkartenbesitzer wird auf diesen Umstand im Future-Store gar nicht hingewiesen. Erst nachträglich, nach Nachfragen von Katherine Albrecht, gibt es kleine Hinweisschildchen am DVD-Regal, auf der Karte oder beim Kartenantrag selbst hingegen fehlt der Hinweis. Bisher hatte Metro immer abgestritten, dass so eine Personenbeziehbarkeit möglich sei.

Ein nach ersten Verbraucherprotesten (u.A. des FoeBuD) von Metro im Store aufgestellter Deaktivator löscht zwar RFID-Daten von Etiketten, die auf Produten angebracht sind, nicht aber die entscheidende Identifikationsnummer. Jede Packung Philadelphia-Käse hat so eine nicht löschbare weltweit eindeutige Nummer. Zudem ist das Prozedere umständlich: Nach dem Kauf müssen alle Produkte einzeln deaktiviert werden.

Der Besuch Katherine Albrechts auf Einladung des FoeBuD in Deutschland sorgte für große Medienaufmerksamkeit: Spiegel, Focus, Stern, ARD, c't, DPA und Tagesspiegel, um nur einige zu nennen. Alle wollten Informationen über die Funktionsweise von RFID; alle wollten wissen, was FoeBuD und CASPIAN bisher herausgefunden haben.

Der Thema erreicht so auch die Chefetagen von Unternehmen, die zukünftig ihre Produkte mit RFID ausstatten wollen: Der Bekleidungshersteller Gerry Weber kündigte an, die Tags nichts mehr einzunähen, sondern so außen am Produkt anzubringen, dass sie an der Kasse nach dem Kauf abgeschnitten werden können.

FoeBuD fordert Metro auf, die Tests bis zum 16. Februar zu beenden. Metro soll dann nach dem Willen von FoeBuD und CASPIAN ein Gremium mit Datenschützern, Verbraucherorganisationen, Umweltschützern, Arbeits- und Bürgerrechtlern zu finanzieren, bei dem Regeln und Gesetze für die gesellschaftsverträgliche Einführung der RFID-Technik entwickelt werden.

Eines aber ist schon getan: Den BigBrotherAward, den sich die Metro Future Store Initiative im letzten Oktober nicht abgeholt hat, hat der FoeBuD zum Besuch beim Future Store als Gastgeschenk mitgebracht...

Weitere Informationen:
http://www.foebud.org/rfid/
RFID-Positionspapier: http://www.foebud.org/texte/aktion/rfid.
http://www.nocard.org
http://www.spychips.com


Lesen lernen jetzt

Die Stiftung ›Bridge‹ (Kurz für: "Bürgerrechte in der digitalen Gesellschaft") stellt FoeBuD 15.000 Euro zur Verfügung. Die Stiftung will, wie ihr Name andeutet, "Bürgerrechte in der digitalen Gesellschaft" stärken. Fragen wie: "Durch wen und wie werden Informationen kontrolliert und distribuiert" sind für den Gründungsstifter Frank Hansen zentral. FoeBuD nahm im vergangenen Jahr an einem Ideenwettbewerb teil. Als förderungswürdig erachtet die Stiftung das Konzept des FoeBuD, einen ›Data-Privatizer‹ zu entwickeln. Mit diesem Gerät soll es möglich sein, versteckt angebrachte RFID-Tags und Punkte, wo entsprechende Scanner aufgebaut sind, ausfindig zu machen. Innerhalb der kommenden zwei Monate will FoeBuD das Gerät entwickeln. Bereits jetzt gibt es großes Medieninteresse am Data-Privatizer. (http://www.bridge-ideas.de/)


Big Brother im Landtag gelandet

Vier Tage, nachdem der FoeBuD dem niedersächsischen Innenministerium am 25. Oktober 2003 einen Big Brother Award zugesprochen hatte, überreichte die grüne Landtagsfraktion dem CDU-Innenminister Uwe Schünemann einen Kürbis mit Papierflügeln. Den setzten die Grünen als Symbol für Halloween und damit für Horror, schließlich stand Halloween vor der Tür. In der von den Grünen beantragten Aktuellen Stunde im Landtag ging es vor allem um die geplante und dann auch Anfang Dezember mit CDU/FDP-Mehrheit beschlossene Verschärfung des niedersächsischen Polizeigesetztes, inklusive "vorbeugender Telefonüberwachung". Weiter im Paket: finaler Rettungsschuss und ausgeweitete Ingewahrsamnahmen und Sicherungsverwahrung. Der BigBrotherAward, dessen Verleihung am Oktober 2003 in Bielefeld Innenminister Schünemann keine Reise von Hannover nach Bielefeld wert war, holte ihn in der aktuellen Stunde in Form des Kürbises dann doch noch ein.

Aus dem Landtagsprotokoll der aktuellen Stunde vom 29. Oktober 2003

Hans-Albert Lennartz (Grüne):

Erster Punkt: Herr Schünemann hat in der vergangenen Woche von der Bürgerrechtsbewegung, von einer Reihe von Bürgerrechtlern den diesjährigen ›BigBrotherAward‹ in der Rubrik Politik verliehen bekommen, zusammen mit drei anderen Innenministern anderer Bundesländer, weil sie mit Hilfe der geplanten oder schon vollzogenen Polizeirechtsänderungen dabei seien, die Lauschzugriffs- und Überwachungsmöglichkeiten auch auf Unverdächtige auszudehnen.

Reinhold Coenen [CDU]: Das ist doch eine hohe Auszeichnung!

- Genau, das sehen wir auch so. Herr Schünemann hat den Preis aber noch nicht bekommen.

Reinhold Coenen [CDU]: Ach so!

- Deswegen haben wir uns für eine Übergangszeit diesen kleinen Preis als Zwischengeschenk ausgedacht, der jetzt neben ihm steht.

Zuruf von der CDU: Der sieht Ihnen aber verdammt ähnlich!

- Ja, das ist ja auch nur eine Übergangszeit, die hier überbrückt werden muss.


Public Domain im Vorlauf (http://www.foebud.org):

#129 Sonntag, 7. März 2004: Die Stasi hinter der Küchenspüle.

Clauda Rusch, Autorin aus Berlin und im Umfeld der DDR-Bürgerrechtsbewegung aufgewachsen, erzählt über ihre Kindheit in der DDR. Mit Herz und Humor erinnert sie sich an gängige Unterdrückungs- und Bespitzelungsmassnahmen. Claudia Rusch veröffentlichte zum Thema bereits das äußerst lesenswerte Buch: Meine freie deutsche Jugend.


#130 Sonntag, 2. Mai: Schau mir in die Augen!

Biometrie bedeutet, dass bald im Reisepass, am Bankautomaten oder am Flughafen Identifizierung durch Körpermerkmale vorgenommen werden soll. Biometrie geschieht durch Fingerabdruck, Iris-Scan, Gesichtserkennung, Handgeometrie, Wärmebilder und vieles mehr. Lisa Thalheim und Jan Krißler klären auf (http://www.biometrische-systeme.org). Beide arbeiten im Chaos Computer Club Berlin, studieren Informatik und sprechen über Funktion, Sinn und Unsinn von biometrischen Systemen.


#131 Sonntag, 6. Juni: Hinz und Kunz - und Müller-Lüdenscheid.

Konrad Kunze, Professor für Sprachgeschichte an der Universität Freiburg und Autor des ›dtv-Atlas Namenskunde‹ referiert mit Vergnügen über unsere Familiennamen. In den Namen verdichten sich historische Ereignisse, alte Techniken und Künste, ein spannender Schatz, den Kunze ans Tageslicht oder besser Bunkerlicht holt.


Alle Veranstaltungen der Public Domain finden um 15 Uhr statt. Bunker Ulmenwall, Kreuzstraße 0, Bielefeld. Eintritt: 3 Euro, Kinder und Jugendliche unter 18 frei

Andere über FoeBuD

Heute: Edda Müller, Vorstand des Bundesverbands der Verbraucherzentralten "Wir begrüßen ausdrücklich die Aktivitäten des Vereins"

Spenden:
Kontonummer 2129799 bei der Sparkasse Bielefeld (BLZ 48050161)

Kontakte:
Internet: https://www.foebud.org, Mail: foebud@bionic.zerberus.de
FoeBuD e.V., Marktstr. 18, D-33602 Bielefeld, Tel: 0521-175354

Manfred Horn, Rena Tangens, padeluun
darf gegen Nennung von Quelle und Verlinkung übernommen werden
2006-12-14 19:03
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