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WM-Tickets absurd

Die "Personalisierung" der Fußball-WM-Tickets ist eine Farce. Unter dem Deckmantel der "erhöhten Sicherheit" wurden tausende von Fans erfasst, ein schwunghafter Handel von Adressen und Ticket-Tauschbörsen hat Geld, Energie und vor allem unendlich viel Zeit gefressen ohne sichtbaren Erfolg für die Fans - im Gegenteil. Die "Nachrichten aus FIFAbsurdistan" haben wir hier gesammelt.

WM-Tickets absurd

WM-Mitarbeiter nahmen einem das Ticket ab und schoben es in die RFID-Lesegeräte. Fazit: Die Technik hat auf ganzer Linie versagt. (Foto: Sascha A. May)

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22.6.06: Bundesregierung muss sich mit Sinnfrage beschäftigen

"Welchen Sinn haben nach Auffassung der Bundesregierung die RFID-Chips auf den Fußball-WM-Tickets, wenn die auf den Chips gespeicherten Informationen nur in einem sehr geringen Umfang ausgelesen und zur Identitätsprüfung genutzt werden?", fragt die bündnisgrüne Bundestagsabgeordnete Silke Stokar zusammen unter anderem mit Volker Beck und Christian Ströbele in einer offiziellen "kleinen Anfrage" an die Bundesregierung. Dies und welche Konsequenzen die Bundesregierung aus dem gescheiterten Einsatz von RFID bei der Fußball-WM zieht, wird die Bundesregierung in den nächsten Wochen beantworten müssen.

19.6.06: FiFa kapituliert vor dem Schwarzmarkt

Die Hannoversche Allgemeine Zeitung meldet, dass Ticketing-Chef Willi Behr eingesehen habe, dass es in Deutschland kein Gesetz gebe, das den Wiederverkauf einmal gekaufter Dinge verbiete. An die Ordner sei die offizielle Aufforderung ergangen, jeden ins Stadion zu lassen, der ein gültiges Ticket in der Hand halte. Damit war die gesamte Personenerfassung im Vorfeld der FIFA überflüssig - ob sie vielleicht sogar illegal war, klären die Gerichte unter anderem in Bezug auf die vom FoeBuD unterstützte Klage.

18.6.06: Dieb geht als Frau durch die Gatter

Als "dümmster WM-Dieb" wurde ein Mann bezeichnet, der am 18.6.2006 das Spiel Brasilien gegen Australien in München besuchte. Kurz vor dem Einlasstor hatte er einer Frau die Handtasche samt Ticket gestohlen. Als er stolz auf dem frisch ergatterten Stuhl Platz nahm, wurde er verhaftet - neben ihm saß der Ehemann der Bestohlenen, der sofort die Polizei alarmierte. Dem großartigen WM-"Sicherheitssystem" aus RFID-Chips, registrierten Karten-Besitzern, Lesegeräten, Sichtkontrollen, Kontrollpersonal, Videoüberwachung und was nicht sonst noch allem war diese seltsame Geschlechtsverwandlung nicht aufgefallen. (Quelle: z.B. Stern Online)

18.6.06: Schwarzhandel unterbinden? - Von wegen!

Ein erklärtes Ziel bei der Datensammelei für die WM-Tickets war es, mit Hilfe der RFID-Chips auch den Schwarzhandel zu unterbinden oder zumindest zu erschweren. Das hätte man wohl besser auch den obersten Fußball-Funktionären dieser Welt mitgeteilt. Dumm gelaufen nämlich: Ishmael Bhamjee, Mitglied des FIFA-Exekutivkomitees (!) und Präsident des Fußballverbands von Botswana, ist von einem britischen Journalisten - und also nicht etwa von der ausgeklügelten Überwachungsmaschinerie - dabei erwischt worden, wie er Eintrittskarten auf dem Schwarzmarkt für das Dreifache ihres eigentlichen Verkaufswerts weiterverkauft hat. (Quelle: Z.B. ARD.)

14.6.06: Handschrift reicht, Chip funktioniert sowieso nicht

Ein Fußball-Fan schrieb dem FoeBuD (Name gestrichen und sprachlich leicht gefeilt):

"P. hatte zwei Tickets von einem Freund bekommen und gegen neue, auf sich ausgestellte, getauscht. Dafür sind € 20 an den DFB geflossen. Mit diesen nun auf seinen Namen und den seines Bruders ausgestellten Tickets ging er zum Stadion. Dort wurden sie aber vom System nicht erkannt. Nun aber schnell zum "Not-Ticket-Center" und fragen, was los ist. Der überarbeitete Mitarbeiter frickelte am Rechner herum mit dem immer gleichen Einwurf "...Das System is' nicht so schnell..." und stellte schließlich entnervt zwei neue Blanko-Karten aus, auf denen er lediglich mit einem Stift den Namen der neuen Ticketinhaber notierte. Mit diesen Tickets bewaffnet nun nochmal zum Stadion... Keine Kontrolle, keine Überprüfung, nichts. Das grüne Licht ging an der Schranke an und man konnte durchtreten.

Wofür genau hat P. jetzt € 20 bezahlt?! Einen im Übrigen fast 30%igen Preisaufschlag..."

11.6.06: Keine Sicherheit für Fans

400 englische Jugendliche blieben leider draußen: Das Einlass-System eines Stadions verweigerte die Karten. Sie waren gefälscht. Die "Sicherheitsmerkmale" der Tickets helfen den Fans nämlich kein bisschen - gute Fälschungen fallen erst am Eingang auf, wenn Reisekosten bezahlt sind und der Frust riesig ist. Die SchülerInnen waren auf dem Schwarzmarkt einem Fälscher aufgesessen. Nachdem sich Fifa-Chef Blatter und Tony Blair persönlich eingeschaltet haben, bekamen die Jugendlichen von der FiFa Karten fürs Viertelfinale geschenkt. (Woher die FiFa die wohl hatte, wo doch alle Spiele so wahnsinnig ausverkauft waren...?)

28.5.06: 300.000 VIPs nicht registriert

"Das haben wir nicht gewußt", behaupteten die Verantwortlichen der Schweizer Ticket-Vermarktungs-Agentur ISE, die von der FiFa mit der Vermarktung der Tickets beauftragt war. Niemand habe ihnen gesagt, dass Ticket-Inhaber sich registrieren lassen müssten (man denke sich den unschuldigen Augenaufschlag dazu). Deshalb habe man 300.000 Tickets an VIPs, also Prominente und Geschäftskunden ausgegeben, ohne deren Daten zu notieren. Und es sei nun wirklich nicht zumutbar, das im Nachhinein zusammenzusuchen. Komisch, dass jeder normale Fußballfan das durchaus beim Bestellen oder durch die umfangreiche Berichterstattung im Vorfeld irgendwo aufgeschnappt hat. Die Sicherheitsmerkmale der Tickets waren ja auch erst seit 2003 öffentlich bekannt... Und die ISE ist ja auch "nur" die von der FiFa seit Jahren immer wieder beauftragte Leib- und Magen-Werbeagentur, die wegen Korruption der FiFa-Führung seit Jahren in der Kritik von BBC-Reporter Andrew Jennings steht.


2006-07-26 14:51