Benutzerspezifische Werkzeuge
Sie sind hier: Startseite FoeBuD e.V. Frühere Projekte Privacy Card Kundenkarten FAQ
FoeBuD e.V. // Marktstrasse 18 // D-33602 Bielefeld
Tel: 0521-175254 // Fax: +49-521-61172 // Mail: mail-aet-foebud.org
Web: www.foebud.org und www.bigbrotherawards.de und www.stoprfid.de
Unsere Arbeit ist nur mglich durch Ihre Spende!
Konto: 2129799 // BLZ: 48050161 // Sparkasse Bielefeld
Artikelaktionen

Kundenkarten FAQ

Gern gegebene Antworten auf häufig gestellte Fragen zu Kundenkarten

Die Betreiberin der nordamerikanischen Website www.nocards.org, Katherine Albrecht, hat die nachfolgenden Fragen und Antworten zusammengestellt. In den USA sind Kundenkarten schon weitaus mehr verbreitet. Auch sind die negativen Auswirkungen dieser Karten dort schon sehr deutlich sichtbar geworden.

Wir stellen hier eine Übersetzung und leichte inhaltliche Anpassung auf deutsche/europäische Verhältnisse zur Verfügung:
  • Kundenkarten sind nur eine Belohnung für treue Kunden. Was ist falsch daran?
  • Ist die Teilnahme an "Treue"-Programmen nicht freiwillig?
  • Warum der Ausdruck "Registrierungs- und Beobachtungsprogramm"?
  • Warum soll ich denn geheimhalten, was ich einkaufe?
  • Warum soll ich denn mein Leben nicht offenlegen? Nur wer etwas zu verbergen hat, regt sich auf über "Registrierung" und "Überwachung".
  • Geben mir denn nicht die Datenschutzklauseln im Vertrag genug Schutz?
  • Könnten die Daten meiner Rabattkarte von den Behörden beschlagnahmt werden?
  • Wenn Sie keine Rabattkarten mögen, warum kaufen Sie denn nicht woanders ein?
  • Warum habe ich in meiner Stadt keine Fusionen bemerkt?
  • Wenn diese Programme so furchtbar sind, warum reden dann die Händler so offen darüber?
  • Wie werden "Treue"-Programme finanziert?
  • Warum schreiben Sie "Treue" in Anführungszeichen?
  • Wenn ich meine Karte nicht nutze, muß ich dann nicht mehr für meine Einkäufe bezahlen?
  • Bei all dem Leid in der Welt und den Hungerkatastrophen in [bitte ausfüllen], wieso verschwenden Sie Ihre Zeit mit dem Kampf gegen Supermarkt-Clubkarten?
  • Kundenkarten sind nur eine Belohnung für treue Kunden. Was ist falsch daran?

    Das Schlagwort der "Belohnung für treue Kunden" ist in zweifacher Hinsicht falsch. Die erste Unwahrheit liegt in dem Wort "Belohnung". Die Händler behaupten, daß Sie "belohnt" würden durch die Möglichkeit, eine Kundenkarte zu verwenden. Eine "Belohnung" ist eigentlich ein Geschenk, das Ihnen einen greifbaren Nutzen bringt. Kundenkarten sind jedoch kein Geschenk, sondern ein Geschäft für den Händler, der Ihre Daten zu seinem eigenen Nutzen verwendet. Sie haben keinen greifbaren Nutzen, wenn Ihre Daten aufgezeichnet und Ihr Kaufverhalten verfolgt werden und Sie trotzdem die gleichen Preise zahlen wie bisher.
    Kunden nehmen diese Karten nicht aus dem inneren Verlangen an, ihre privaten Informationen in die Datenbank eines Supermarktes einzuspeisen, sondern durch massive Verführung und Druck: "Wenn Sie sich weigern, zahlen Sie einen Preis!" Das ist nicht Ihr freundlicher Händler, der Sie für "Treue" belohnt -- so mißbraucht jemand seine Macht (die Macht über Ihr Portemonnaie, letztendlich die Macht, Ihnen Waren vorzuenthalten), um Kunden stumm zu machen und zu kontrollieren.

    Zweitens ist es unwahr, daß diese Karte solchen Kunden angeboten werden, die Treue zeigen. Ganz abgesehen davon, ob ausgerechnet ein Supermarkt zu den Institutionen gehört, denen Sie überhaupt Treue entgegenbringen wollten: Diese Karten werden ja wahllos allen Kunden angeboten, die nur einmal das Geschäft betreten -- nicht als eine Belohnung für Kunden, die irgendwie treuer sind als andere. Ebensowenig verursachen diese Karten Treue, nachdem sie ausgegeben worden sind. Ein Bericht des Marktanalysten Mintel sagt: "Die Forschungen zeigen klar, daß die Existenz eines Kundenkartensystems nicht mit einem Maß von Treue im Einkaufsverhalten zusammenhängt." Hierzu paßt die (nicht empirisch belegte) Erfahrung, daß viele Verbraucher mehrere Kundenkarten besitzen, wodurch das Konzept der "Treue" auf den Kopf gestellt wird. (Quelle: Customer Loyalty Today, 4. Januar 1999)

    Die "Treue"-Karten belohnen Unterordnung und Folgsamkeit, wenn es um Registrierung, Erfassung und Überwachung geht -- nicht Treue.

    ^ nach oben
    ><
    p>

    Ist die Teilnahme an "Treue"-Programmen nicht freiwillig?

    Nein, diese Programme sind nicht freiwillig -- und es ist wichtig, die Händler nicht mit diesem semantischen Trick davonkommen zu lassen. Es stimmt zwar, daß ihre Beobachtungsprogramme "nicht verpflichtend" sind: niemand zwingt die Kunden dazu, teilzunehmen. Das ist aber nicht gleichbedeutend mit "freiwillig". Wenn man Ihnen mit Nachteilen für eine Weigerung droht, kann man Ihr Gehorchen nicht "freiwillig" nennen.

    Ein Beispiel. Wenn Ihnen Ihr Arbeitgeber sagt: "Ihre Mitarbeit an diesem [gefährlichen oder unangenehmen] Projekt ist freiwillig. Es ist allein Ihre Entscheidung, ob Sie mitmachen oder nicht. Aber ich reduziere Ihr Gehalt um 15%, wenn Sie es nicht tun." Wenn Sie dann bei dem Projekt dabei sind, könnte man schwerlich behaupten, Sie hätten dies freiwillig getan -- anstatt aus dem Grund, finanzielle Nachteile zu vermeiden.
    Die Händler sagen im Grunde etwas ganz ähnliches: "Wir haben dieses kleine, schlimme Datensammelsystem, und wir möchten, daß Sie sich freiwillig darin eintragen. Sie können natürlich Nein sagen, aber dann werden Sie etwa 15% mehr für Ihren Einkauf ausgeben."

    Wenn Sie merken wollen, wie freiwillig dieses Angebot wirklich ist, fragen Sie sich, ob Sie Ihr Einkaufsverhalten auch dann beobachten lassen würden, wenn Sie für eine Weigerung nicht bestraft würden. Wenn das wirklich so ist, dann zählen Sie zu den wenigen echten Freiwilligen und brauchen diese Seite nicht weiter zu lesen. Falls nicht, dann übt man Druck auf Sie aus, indem man Ihnen die Strafe höherer Einkaufskosten androht. Lassen Sie niemanden über Sie sagen, Sie täten dies aus eigenem, freien Willen.

    "Einen Moment!" Wir sehen den Pressesprechern der Handelsverbände bereits die Adern anschwillen. "Sie verdrehen die Tatsachen! Wir bestrafen nicht die Kunden, die Nein sagen, wir belohnen die treuen Kunden, die Ja sagen!"
    Ich kann dies aus eigener Erfahrung widerlegen. Versuchen Sie einmal in einem Markt einzukaufen, der ein "Treue"-Programm hat, ohne die entsprechende Karte. Sie werden bald sehen, daß man Sie erheblich bestraft.

    Was Belohnungen angeht: Wenn die Kartenbesitzer wirklich belohnt würden, sollten dann nicht ihre Kosten deutlich gesunken sein, seit diese Programme eingeführt wurden? Soweit ich weiß, sagt niemand: "Hey, ich spare jetzt soviel im Vergleich zu meinen Ausgaben, bevor mein Supermarkt mir diese Karte gegeben hat." Stattdessen hören Sie nur: "Sehen Sie, wieviel ich spare gegenüber dem 'Nicht-Club-Preis', den mein Supermarkt den Kunden abverlangt, die nicht eintreten!"
    Tatsächlich plärrt es sogar am unteren Ende vieler Kassenbons: "Ihre Clubmitgliedschaft hat Ihnen 5,40 € gespart!" Da kann man nur zurückfragen: "Gespart, im Vergleich womit?"

    Bedenken Sie, wer diese Preise überhaupt festlegt. Es gibt kein Gesetz, das faire Preise festschreibt. Geschäfte können Preise für "Nicht-Mitglieder" so lächerlich hoch ansetzen, wie sie wollen. Tatsächlich haben einige genau das getan, um die letzten Querköpfe zur Mitgliedschaft zu treiben.

    Wenn Ihr Supermarkt um die Ecke es will, kann er den Preis für einen Liter Milch auf 4 € festsetzen -- und "Mitglieder" mit einem "Club-Preis" von 79 Cent "belohnen". Sollten Sie dann beeindruckt sein, wenn es auf Ihrer Quittung heißt: "Herzlichen Glückwunsch, Sie haben mit Ihrer Clubkarte gerade 3,11 € gespart"?

    Anstatt dankbar zu sein für die "Chance", normale Preise zu bezahlen, sollten Sie sich ärgern, daß die Preise überhaupt so manipuliert werden. Warum tun diese Händler so etwas? Weil sie unser Einkaufsverhalten überwachen wollen.

    ^ nach oben
    ><
    p>

    Warum der Ausdruck "Registrierungs- und Beobachtungsprogramm"?

    Wenn jemand Namen, Adresse und andere Daten angibt, um dann eine Karte mit einer Nummer zu erhalten, ist diese Person registriert worden. Wenn die Nummer anschließend verwendet wird, um die Handlungen der Person zu verfolgen, wird sie außerdem beobachtet. Man könnte durchaus auch das Wort Überwachung verwenden.

    ^ nach oben
    ><
    p>

    Warum soll ich denn geheimhalten, was ich einkaufe?

    Das gleiche könnte man auch über Telefonüberwachung sagen: "Warum soll ich denn geheimhalten, worüber ich mit meinen Freunden spreche?" Wie wäre es mit einem Gerät, das Ihr Auto verfolgt? "Warum soll niemand wissen, wohin ich fahre?" Genau, da könnten wir doch gleich noch eine Kamera in Ihrem Bad installieren: "Von mir aus soll mich doch jeder nackt sehen!"

    Es gibt sehr viele Dinge, die aussschließlich Ihre Angelegenheit sind, die niemand anderen interessieren sollten -- erst recht nicht aus geschäftlichen Gründen. Das nennt man Recht auf Privatsphäre -- das Recht auf ein Leben, in das sich niemand einmischt, das niemand beobachtet und auswertet. Behalten Sie Ihre Selbstachtung und erlauben Sie niemandem, seine Nase in Ihre privaten Angelegenheiten zu stecken.

    ^ nach oben
    ><
    p>

    Warum soll ich denn mein Leben nicht offenlegen? Nur wer etwas zu verbergen hat, regt sich auf über "Registrierung" und "Überwachung".

    Vor nicht allzu langer Zeit gehörte es zu dem Respekt vor anderen Leuten, daß man es unanständig fand, ihre Privatsachen auszuforschen. Und man hatte auch den Selbstrespekt, dafür Sorge zu tragen, daß niemand in unseren eigenen Angelegenheiten herumschnüffelt.

    Inzwischen ist es sehr in Mode gekommen, sich auszustellen. (Ich denke nur an all die Familien und Paare, die ihre intimen Geheimnisse in Talkshows ausbreiten.) So sind wir besessen geworden, gegenseitig Geheimnisse auszugraben und die Wäsche anderer Leute zu waschen -- sei sie nun schmutzig, sauber oder einfach privat.

    Wer sagt, er habe nichts zu verbergen, tut dies oft mit einem gewissen Glanz in den Augen und einem Finger, der anklagend auf andere zeigt. Aber ich garantiere Ihnen, niemand möchte, daß wirklich jeder Teil seines Lebens öffentlich bekannt ist. Obwohl die Medien es uns vielleicht anders weismachen wollen: Bei dem Wunsch nach Privatsphäre geht es nicht darum, seine schmutzigen Angelegenheiten zu verbergen. Es geht darum, nicht den bohrenden Blicken anderer Leute ausgesetzt zu sein. Das ist ein sehr wichtiger Unterschied.

    Wenn Sie Ihr Leben wirklich offenlegen wollen, habe ich einige Fragen an Sie. Schließen Sie die Tür, wenn Sie die Toilette benutzen? Widerstehen Sie dem Reiz, sich in der Schamgegend zu kratzen oder in der Nase zu bohren, wenn man Sie dabei beobachten kann? Wenn Sie ein Streitgespräch mit Ihren Kollegen haben, senken Sie die Stimme, wenn ihr Chef zur Tür hereinkommt? Setzen Sie sich ein wenig aufrechter hin und suchen Sie Ihre Kleidung sorgfältiger aus, wenn Sie jemanden beeindrucken wollen?

    Wenn Sie diese Fragen mit Ja beantworten, sind Sie ein ganz normaler Mensch. Sie sind auch -- ob Sie es mögen oder nicht -- ein Verfechter der Privatsphäre. (Wenn Sie einige Fragen mit Nein beantwortet haben, brauchen Sie eigentlich einen Schnellkurs in gesellschaftlich akzeptierten Verhaltensregeln.) Alle meine Fragen zielten auf den Unterschied zwischen der privaten und der öffentlichen Persönlichkeit. Bei den Beispielen habe ich mich auf solche beschränkt, für die es einen breiten gesellschaftlichen Konsens gibt. Aber es gibt viele andere Aktivitäten, die Privatheit brauchen und verdienen, so viele, wie es Menschen gibt.

    Eigentlich solten doch alle unsere Aktivitäten, solange sie nicht anderen Menschen wehtun, vor Beobachtung geschützt sein. Überfällt Sie manchmal beim Duschen der unwiderstehliche Reiz, Ihre Lieblingsmelodie zu schmettern, obwohl Sie keinen Ton halten können? Schreiben Sie herzzerreißende Liebesgedichte? Malen Schnurrbärte auf Fotos von Supermodellen? Trinken Milch direkt aus der Packung? Kauen Sie Ihre Fingernägel? Ihre Zehennägel? Lutschen Sie am Daumen? Schlafen mit einem Teddybär? Führen Sie Regentänze in Ihrem Wohnzimmer auf? Wischen Sie Ihren Küchenfußboden am liebsten mit einem Supermann-Cape bekleidet? Pflegen Sie tiefschürfende Konversation mit Ihrem Goldfisch? Natürlich müssen Sie gar keine dieser Hobbies haben -- und es würde mich absolut nichts angehen, wenn doch -- aber sicher fallen Ihnen einige Ihrer seltsamen Eigenarten ein, mit denen Sie selbst die Liste verlängern könnten.

    Tun solche Sachen irgendjemandem weh? Unsinn, natürlich nicht. Sind sie merkwürdig? Nun, vielleicht, und deshalb möchten wir nicht, daß unser Nachbar, ein RTL-Filmteam oder ein BND-Agent uns dabei beobachtet.

    Das Bedürfnis, Zeit ganz für sich allein zu haben, für ganz private Aktivitäten (oder Einkäufe), ist nicht die Scham eines Menschen, der etwas zu verbergen hat. Es ist eine Zuflucht für die Seele, die höchst empfindlich ist für die Meinung anderer Menschen, und die sich dann und wann einfach mal befreit austoben muß. Das Zusammenleben mit anderen Menschen sorgt immer wieder für erheblichen Streß. Wenn wir niemals die Möglichkeit hätten, ganz wir selbst zu sein, etwas vielleicht seltsames (aber eigentlich harmloses) zu tun, dann würden wir wahrscheinlich verrückt werden.

    Geben Sie also sich selbst und Ihrem Nachbarn ein wenig Ruhe voreinander. Genießen sie etwas Zeit für sich, genießen Sie es, unbeobachtet zu sein. Und zeigen Sie nicht mit dem Finger auf andere, die diese Freiheit auch für sich haben wollen.

    ^ nach oben
    ><
    p>

    Geben mir denn nicht die Datenschutzklauseln im Vertrag genug Schutz?

    Datenschutzklauseln sind ein Warnsignal: die Daten, die Sie freigeben, könnten mißbraucht werden. Warum sind Datenschutzklauseln eingeführt worden? Weil die Daten, die man von Ihnen sammeln will, sehr persönlich sind und in Ihre Privatsphäre eindringen -- und das wissen die Vertragsautoren.

    Wenn Sie so empfinden wie die meisten anderen, sehen Sie es wahrscheinlich nicht gerne, wenn Aufzeichnungen mit Ihrem Namen, ihrer Adresse und anderen Daten, die eine eindeutige Zuordnung erlauben, und mit Ihren Ausgaben für Lebensmittel und Lebensstil offen bekannt oder verkauft würden. Warum nicht? Weil Sie instinktiv wissen, daß einfach niemand diese Informationen haben sollte. Wenn diese Daten so private Dinge enthalten, daß Sie sie durch Datenschutzklauseln vor dem Zugriff von Fremden schützen wollen, warum um alles in der Welt wollen Sie dieselben Daten den Fremden übergeben, die die Datenbanken Ihres Supermarkts verwalten?

    ^ nach oben
    ><
    p>

    Könnten die Daten meiner Rabattkarte von den Behörden beschlagnahmt werden?

    Selbstverständlich. Tatsächlich haben die Gesetzeshüter bereits in den Einkaufsdaten von Bürgern geforscht -- und das ist ein Grund, warum diese Daten mir Sorgen machen. Ich denke einfach nicht, daß es zu den Aufgaben eines Supermarktes gehört, an der Jagd auf Verbrecher teilzunehmen. Selbst wenn ich darüber anders dächte: ich könnte es nicht vertreten, daß man diese detaillierten, intimen Information über Millionen von Bürgern sammelt, nur aufgrund der Möglichkeit, daß einige wenige von Ihnen eine Straftat begangen haben.

    Die gesetzlichen Einschränkungen haben den staatlichen Behörden bisher einen sinnvollen Rahmen gesetzt, um Fälle von Beobachtung, Durchsuchung und Beschlagnahmung zu begrenzen. Wenn nun private Stellen (wie der Einzelhandel) diese Überwachungsfunktionen übernehmen, brauchen die Behörden sich nicht mehr über gesetzliche Hürden den Kopf zu zerbrechen. Lassen wir einfach die Eingriffe in die Privatsphäre von privater Seite durchführen, dann braucht es nur noch den genehmigten Zugriff auf diese Daten, um an eigentlich geschützte Informationen heranzukommen.

    Stellen Sie sich vor, daß auch Sie einmal zum Ziel einer Ermittlung werden könnten. Vielleicht werden Sie nur in einen zivilrechtlichen Prozeß verwickelt, und Ihr Prozeßgegner hält Ihre Einkaufsliste für ein wichtiges Beweismittel. Oder ein Ex-Ehepartner möchte mit diesen Daten beweisen, daß Sie Ihre Aufgaben als Vater oder Mutter vernachlässigt hätten. (Kondome? Alkohol? Häufig oder in großen Mengen? Haben Sie noch etwas vorzubringen?) Sobald Ihre Einkaufsgewohnheiten irgendwo gespeichert sind, werden sie wie reifes Obst, das darauf wartet, gepflückt zu werden. Damit dann vielleicht jemand mit faulen Tomaten auf Sie wirft.

    Es gibt nur einen Weg, so einen Mißbrauch Ihres Einkaufprofils zu verhindern: Lassen Sie gar nicht erst zu, daß jemand es erhebt.

    ^ nach oben
    ><
    p>

    Wenn Sie keine Rabattkarten mögen, warum kaufen Sie denn nicht woanders ein?

    Leider wird es immer schwieriger, ein Geschäft zu finden, das kein Beobachtungsprogramm hat. In den letzten Jahren hat es in der Supermarktbranche eine Welle von Fusionen und Übernahmen gegegeben, deren Ausmaß man kaum glaubt, wenn man die Statistiken nicht selbst vor Augen hat. (Details finden sich im Nachrichtenteil dieser Website.) Bei dem aktuellen Tempo werden die Supermärkte Ihrer Stadt bald nur noch zu einem oder zwei Mega-Konglomeraten gehören. Womöglich gilt dies irgendwann auch für die Supermärkte der gesamten industrialisierten Welt. Vielleicht können Sie noch den Eingriffen in Ihre Privatsphäre entkommen, indem Sie einfach woanders einkaufen -- und ich empfehle Ihnen das nachdrücklich. Wenn aber aber nichts getan wird, um die Großkonzerne von ihrer Begeisterung für Rabattkarten abzubringen, wird es schon bald keine Möglichkeiten zum anonymen Einkaufen mehr geben.

    ^ nach oben
    ><
    p>

    Warum habe ich in meiner Stadt keine Fusionen bemerkt?

    Das könnte Ihnen durchaus entgangen sein, weil die Großkonzerne oft die Namen der Geschäfte erhalten, wenn sie sie übernehmen. Der durchschnittliche Kunde kann meistens nur wenige Hinweise entdecken, wenn ein Supermarkt den Eigentümer gewechselt hat.

    ^ nach oben
    ><
    p>

    Wenn diese Programme so furchtbar sind, warum reden dann die Händler so offen darüber?

    Ich glaube, diese Einbrüche in die Privatsphäre werden toleriert, weil sie so offensichtlich sind.

    Warum gibt es keine breite Protestbewegung gegen verbreitete, offensichtliche Verletzungen der Privatsphäre? Weil man sich nicht anstrengt, sie zu verbergen. Wenn etwas ganz offen gemacht wird, nehmen die Menschen im allgemeinen an, daß es in Ordnung sei. Kennen Sie die Geschichten von Hauseinbrüchen oder Fahrzeugdiebstählen, an denen viele Menschen vorbeigegangen sind, weil sie dachten: "Nee, das würden die nicht am hellen Tag machen!"? Die gleiche Aktivität im Geheimen, mitten in der Nacht, würde sicher zu Hunderten von Anrufen bei der Polizei führen.

    Wenn wir vor fünf Jahren gehört hätten, daß all unsere Lebensmitteleinkäufe mit unserer Person verknüpft in riesigen, unzugänglichen Datenbanken gespeichert würden, was wäre die Reaktion? Ein Aufschrei der Empörung. Es hätten Untersuchungsausschüsse, Prozesse, Medienberichte, das ganze Drumherum stattgefunden. Was macht das gleiche Szenario heute so akzeptabel? Die Illusion, wir hätten freiwillig zugestimmt (weiter vorne schon besprochen) und, vielleicht noch wirkungsvoller, die Tatsache, daß es nicht geheimgehalten wird.

    Indem die Supermärkte uns so völlig offensichtlich schikanieren, verwirren sie uns und unterdrücken unsere natürlichen Instinkte. Wenn der Supermarkt Ihnen sagt, es sei alles in Ordnung, und alle Ihre Nachbarn sich verhalten, als sei alles in Ordnung, dann sind Sie unter Druck, Ihr eigenes Mißtrauen und völlig berechtigtes Unwohlsein zu ignorieren und zu sagen: "Das würden die nicht in aller Offenheit machen -- es muß wirklich 'alles in Ordnung' sein." Nur leider ist es so, daß sie es wirklich in aller Offenheit machen und das es nicht in Ordnung ist. Es ist genauso übel, wie es im Geheimen wäre.

    Haben Sie von den Experimenten gehört, bei denen die Teilnehmer anderen Menschen Elektroschocks verabreicht haben, nachdem der Versuchsleiter ihnen sagte, das sei richtig so? Haben Sie sich gefragt, warum die Deutschen glauben konnten, es sei in Ordnung, daß die Nazis Millionen unschuldiger Menschen verfolgten und ermordeten? Von diese Beispielen können wir lernen. Wir dürfen nicht dem verführerischen Gedanken erliegen, unser Gewissen anderen anzuvertrauen. Wir müssen unseren Instinkten vertrauen und uns erinnern, daß etwas völlig falsch sein kann, selbst wenn scheinbar niemand dagegen protestiert, alle anderen mitmachen und die Institutionen uns sagen, es sei 'alles in Ordnung'. Hören Sie auf Ihre Instinkte.

    ^ nach oben
    ><
    p>

    Wie werden "Treue"-Programme finanziert?

    Die Firmen hinter den "Treue"-Programmen sind alles andere als freigiebig mit Informationen über Kosten und Finanzierung. Aber es sollte kein Wunder sein, daß die Herstellung von Karten und Antragsformularen, die Eingabe der Personendaten und die Speicherung all der anfallenden Einkaufsdaten, Werbung, Datenübertragung und Hardware insgesamt nicht gerade billig sind.

    Es sind eher die Supermärkte, die kein "Treue"-Programm anbieten, die man über diese Dinge befragen kann. In einem Artikel sagte Mark Price, Marketing Director der britischen Kette Waitrose (die sich aus dem Beobachtungsgeschäft herausgehalten hat), folgendes: Die Märkte, die sich an "Treue"-Systemen beteiligen ... müssen sich zunehmend Gedanken über die langfristigen Möglichkeiten dieser Systeme machen, und darüber, wie sie nennenswerte Gewinne aus ihren enormen Investitionen machen. "Treuesysteme sind keine Gesten von menschenfreundlichen Supermärkten", erläutert Price. "Treuesysteme müssen bezahlt werden und zu eigenen Profitzentren werden. Das durchschnittliche System ist sowohl 'vorne' als auch 'hinten' belastet. Im 'vorderen' Bereich ist die Werbung zu finanzieren, zum Beispiel durch Preisaufschläge und detaillierte Kundeninformation." Customer Loyalty Today, 4/1/99
    Die Geschäfte müssen für diese Programme durch Preiserhöhungen bezahlen oder einen Weg finden, mit den gesammelten Daten Geld zu verdienen.

    ^ nach oben
    ><
    p>

    Warum schreiben Sie "Treue" in Anführungszeichen?

    Mich stört der kommerzielle Mißbrauch dieses Wortes. Bei Treue geht es nicht darum, ob ein Paket Reis 20 Cent weniger kostet. Treue bedeutet, zu Menschen, Institutionen oder Ideen zu stehen, denen man sich verbunden fühlt. Es geht um Handeln aus Überzeugung, damit das, was für einen selbst eine tiefe Bedeutung hat, unterstützt und beschützt wird. Treue ist, sein Wort zu geben und es auch zu halten -- seine Werte nicht aufzugeben, wenn das Leben härter wird und man irgendwo etwas besseres findet.

    Wenn wir unsere Glaubwürdigkeit nicht verlieren wollen, muß Treue ein zentraler Bestandteil in unseren wichtigen Beziehungen sein -- den Beziehungen mit unseren Nächsten, unseren Göttern, unserem Land, und mit den Prinzipien und Ideen, die uns lieb und teuer sind. Und so sehr die Industrie uns das auch einreden will, diese Bedeutung wird sich nicht (und sollte sich nicht) auf Tankstellen, Mineralwassermarken und Supermärkte erstrecken.

    ^ nach oben
    ><
    p>

    Wenn ich meine Karte nicht nutze, muß ich dann nicht mehr für meine Einkäufe bezahlen?

    Ja, ganz genau! Jetzt haben Sie die zentrale Aussage dieser Webseiten -- und Sie schauen geradewegs in den Lauf der Pistole. Wenn es Ihnen nichts bedeutet, was die Supermärkte an Nettigkeiten über "Belohnungen" erzählen, wenn Sie sich nicht "freiwillig" fügen, ist das die Waffe, die man auf Sie richten wird.

    Damit Sie unmißverständlich sehen, was für ein mieser, häßlicher, bedrohlicher Erpresser Ihr Supermarkt wirklich ist, sage ich es nochmal:

    Wenn Sie Ihre Supermarkt-Clubkarte nicht nutzen, dann müssen Sie mehr für Ihre Einkäufe bezahlen.

    Lassen Sie sich das eine Weile auf der Zunge zergehen, und Sie werden sehen, warum es so wichtig ist, diese Programme aufzuhalten.

    Wir müssen verhindern, daß die Supermärkte uns so manipulieren, daß wir eines unserer wichtigsten Rechte preisgeben -- die eigene, freie, überlegte Entscheidung darüber, mit wem wir intime Informationen über uns selbst teilen. Wie können die Supermärkte es rechtfertigen, ihre Kunden so zu mißhandeln, von denen ihr Geschäft doch eigentlich abhängt? Ist das eine Art, "treue" Kunden zu behandeln?

    ^ nach oben
    ><
    p>

    Bei all dem Leid in der Welt und den Hungerkatastrophen in [bitte ausfüllen], wieso verschwenden Sie Ihre Zeit mit dem Kampf gegen Supermarkt-Clubkarten?

    Als Antwort auf diese Frage will ich eine (wahre) Geschichte erzählen. Vor einiger Zeit hörte ich von einer Frau, die sich für den Tierschutz engagierte und Jahre mit der Rettung verlassener Katzen, Hunde und Pferde verbrachte -- auf den Straßen von Kalkutta. Anstatt sie für ihren Einsatz zu bewundern, dachte ich: "Bei all den verlassenen und verkrüppelten Menschen in Kalkulatta könnte Sie mit ihrer Zeit doch wirklich etwas besseres anfangen." Erst später kam ich auf den Gedanken (und schämte mich für meine erste Reaktion), daß diese eine Frau wahrscheinlich mehr Gutes in Kalkutta tat, indem sie ihrer Leidenschaft nachging, als Millionen andere, die niemandem helfen, weder Kindern noch Hunden. So viele Menschen engagieren sich für gar keine gute Sache, manche richten sogar aktiv Schaden an -- wie absurd ist es dann, daß so viel Zeit darauf verschwendet wird, Menschen für ihre guten Taten anzugreifen, weil diese vielleicht nicht gut genug sein könnten.

    Inzwischen halte ich das Engagement dieser Frau nicht nur für "gut genug", ich glaube, daß sie genau das richtige getan hat. Wahrscheinlich war sie enorm wertvoll für die Tiere der Stadt Kalkutta, hätte aber nur eine mittelmäßige Hilfe für die Armen der Stadt sein können, wenn sie überhaupt etwas für sie hätte tun wollen. Wir Menschen sind dann am effektivsten, wenn wir unseren Leidenschaften, unseren Temperamenten und unserem Talent folgen können, wenn wir uns für die Sachen einsetzen, die uns anrühren -- und nicht, wenn wir uns aufopfern für Anliegen, die uns nicht am Herzen liegen.

    Meine Leidenschaft ist die Erhaltung der persönlichen Freiheit, die Abwehr von totalitätem und Orwellschem Eindringen in unsere Freiheit. Wenn das nicht Ihre Leidenschaft ist, ist das in Ordnung! Die Welt ist groß, interessant und reich an Vielfalt. Seien Sie dankbar, daß andere Menschen einen Drang zur Arbeit an Projekten verspüren, für die Sie sich nicht interessieren -- wenigstens macht jemand diese Arbeit. Das stellt Sie frei, sich auf Ihre eigene Prioritäten zu konzentrieren und den Platz zu finden, an dem Sie einen Beitrag leisten können.

    CASPIAN
    Consumers Against Supermarket Privacy Invasion and Numbering
    An information clearinghouse and resource for community and national action

    © 1999-2002 Katherine Albrecht. All rights reserved.

    Übersetzung: Sebastian Lisken

Katherine Albrecht (www.nocards.org), Sebastian Lisken (deutsche Übersetzung), Rena Tangens und padeluun
(c) www.nocards.org; deutsche Übersetzung: FoeBuD e.V.
23.09.2005 10:01
Spenden
Großer Lauschangriff, Schnüffelchips, Videoüberwachung
Da kann man kann ja doch nichts gegen machen? Irrtum.
« Juni 2012 »
So Mo Di Mi Do Fr Sa
1 2
3 4 5 6 7 8 9
10 11 12 13 14 15 16
17 18 19 20 21 22 23
24 25 26 27 28 29 30