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Gentests - unsere Zukunft auf einem Strang?

Viele Dispositionen für bestimmte Krankheitsbildern sind von unseren Genen abhängig. Je nachdem ob eine bestimmte Abfolge von Gensequenzen auf unserer DNS auffindbar ist, steigt oder sinkt die Wahrscheinlichkeit von bestimmten Krankheiten betroffen zu sein. Die Forschung hat bisher nur einige wenige Genkombinationen (über 1000) als Ursache für schwere Krankheiten ausfindig machen können. Weitere werden folgen, so viel scheint sicher angesichts des exponentiellen Wachstums unserer Wissenschaft. Für eine Untersuchung bedarf es oft nur einen Tropfen Blut. Zahlreiche Firmen sind in den letzten Jahren wie Pilze aus dem Boden dieses neuen Marktes geschossen. Es locken hohe Gewinnmargen. Die potentielle Zielgruppe ist groß, denn wer hat keinen Fall von schweren Erkrankungen in seiner Familie zu verzeichnen?

Für Betroffene ist die Möglichkeit zum Gentest Fluch und Segen in einem. Die Frage, ob man sich testen lassen möchte und somit erfahren will, ob man über die selben genetischen Dispositionen verfügt wie die Vorfahren, muss dabei bisher jeder für sich beantworten. Denn die Folgen eines bedenklichen Testresultats können von Depressionen bis hin zum Suizid im Affekt reichen, wenn man erfährt, dass man die Veranlagung für eine unheilbare Krankheit hat. Viele ziehen es daher vor trotz der technischen Möglichkeiten in Unwissenheit zu bleiben und regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen einer schmerzhaften Gewissheit vorzuziehen. Patienten, die in ihrer Familie Fälle der schweren Huntington-Krankheit zu verzeichnen haben entscheiden sich zu 80% bewusst gegen einen Test und ziehen somit die Ungewissheit der schmerzhaften Gewissheit vor.

Denn letztendlich sind auch genetische Tests oftmals nicht in der Lage andere Informationen als Wahrscheinlichkeiten für eine Erkrankung zu liefern. Ob ein Patient letztendlich wirklich erkrankt, hängt nicht zuletzt von seiner Lebensweise und seinem sozialen Umfeld ab, wie die Zwillingsforschung eindrucksvoll gezeigt hat. Auch wenn Gentests Informationen über die Notwendigkeit möglicher präventiver Maßnahmen gegen den drohenden Krankheitsausbruch liefern können, liefern sie doch eines nicht: absolute Sicherheit. Denn die Variablen, die auf unser Leben einwirken sind meist noch vielfältiger als unsere DNS.

Wenn nun die genetischen Daten der Bevölkerung in falsche Hände (andere als die des Gen-Eigentümers) gelangen, könnte dies den Beginn einer genetischen Diskriminierung bedeuten. Ungeachtet dessen, dass Gene oftmals nur Anfälligkeiten und nicht absolute Urteile über unsere zukünftige Krankengeschichte transportieren, werden sich Interessengruppen die Hände reiben, da sie mit Hilfe dieser Daten gefährdete Menschen von bestimmten Leistungen ausschließen können. Unter diesen Umständen wäre es nicht mehr von Interesse ob man tatsächlich erkrankt ist, sondern allein die Tatsache, ob unsere Gene „krank“ oder gesund sind könnte über unseren gesellschaftlichen Status bestimmen. Im Moment unserer Geburt wären die meisten Entscheidungen über unsere Zukunft schon gefällt, in dieser schönen neuen Welt ohne Unsicherheiten.


Text: Katharina Maria Nocun, Foto: Miriam Juschkat
02.04.2009 12:44
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